Geschichten über Hautkontakt: Der Ursprung des Orange Wine

Oranger Wein hat etwas still Rebellisches an sich.
Es bricht mit den Regeln. Es ist weder rot noch weiß. Es liegt irgendwo dazwischen, kupferfarben und voller Widersprüche. Und vielleicht ist es genau das, was die Menschen daran so fasziniert.
In den letzten Jahren hat sich Orange Wine zu einem neuen Trend entwickelt, findet sich auf Weinkarten und wird in Sommelierkreisen diskutiert. Seine Ursprünge reichen jedoch Jahrhunderte zurück zu den Tonamphoren Georgiens.
Was ist Orangenwein?
Was ihm seine „orange“ Farbe verleiht, sind gar keine Orangen. Es sind vielmehr weiße Trauben, die – ähnlich wie bei Rotwein – mit den Schalen vergoren wurden. Dieser Schalenkontakt ist entscheidend. Er verleiht dem Wein einen warmen, bernsteinfarbenen Ton und eine Struktur, die sich deutlich von den spritzigen Weißweinen unterscheidet, die die meisten von uns kennen. Er hat Tannine, Textur und Struktur. Manchmal ist er trüb. Oft ist er wild. Immer aber regt er zum Nachdenken an.
Das georgische Erbe: 8.000 Jahre Weinbau
Um die Ursprünge des Orange Wine zu verstehen, müssen wir fast 8.000 Jahre zurückreisen, nach Georgien, einem Land im Kaukasus, das zwischen Europa und Asien liegt. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Georgier bereits um 6000 v. Chr. Trauben vergären ließen und damit zu den ältesten Weinkulturen der Welt zählen.
Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von Qvevri („Kev-ree“), großen Tonamphoren, die unter der Erde vergraben werden, um eine konstante Temperatur zu gewährleisten. Die Winzer füllen zerdrückte weiße Trauben, einschließlich Schalen, Kernen und manchmal auch Stielen, in diese Qvevri und lassen sie monatelang natürlich gären. Das Ergebnis? Ein tiefgründiger, kräftiger Wein mit reichhaltigen Tanninen, erdigen Aromen und einer orangenen Farbe. Diese traditionelle Methode wird in Georgien noch heute praktiziert und ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Die moderne Renaissance: Italien und Slowenien
In den 1990er Jahren begannen Winzer in Friaul-Julisch Venetien im Nordosten Italiens und im benachbarten Slowenien, diese alten Methoden wiederzubeleben. Pioniere wie Josko Gravner, Stanko Radikon und Dario Princic lehnten die Industrialisierung des modernen Weinbaus ab und suchten die Rückbesinnung auf traditionelle, natürliche Ansätze.
Sie begannen, weiße Trauben auf der Maische zu vergären, mit verlängerter Mazeration und minimalem Eingriff, und reiften die Weine oft in großen Tonamphoren, inspiriert von georgischen Qvevri. Das Ergebnis waren kräftige, ungewöhnliche Weine mit oxidativen Noten, Kräuteraromen und einem markanten Aussehen. Der Begriff „Orange Wine“, geprägt vom britischen Weinimporteur David A. Harvey, fand schnell Anklang bei Sommeliers und Liebhabern von Naturweinen.
Bernstein in der Asche: Orangenwein aus Lanzarote
Orange Wines erfreuen sich weltweit zunehmender Beliebtheit, auch auf Lanzarote. Bodega El Grifo war eines der ersten Weingüter, das diesen Weinstil 2017 auf der Insel einführte. Der unverwechselbare Orange Wine wird aus hocharomatischen Moscatel-Trauben hergestellt, die von über 100 Jahre alten Rebstöcken stammen. Diese wachsen in Chabocos, handgegrabenen Gruben im erstarrten Lavagestein, die es den Reben ermöglichen, selbst unter extremen Bedingungen zu gedeihen.
Dieser Wein besticht durch blumige Aromen von Orangenblüten und Rosen, ergänzt durch Noten von kandierten Früchten, Zitronenschale und einem Hauch getrockneter Kräuter. Er ist ab sofort in unserem Online-Shop erhältlich.
Orange Wine genießen: Speisenbegleitung
Orange Wines zeichnen sich durch ihre kräftige Art aus und passen daher hervorragend zu Speisen, die sich nur schwer mit traditionellen Weinen kombinieren lassen. Ihre Tannine und Säure erzeugen eine dynamische Balance, die intensive und komplexe Gerichte ideal ergänzt.
Die natürlichen Tannine im Orangenwein mildern beispielsweise die Aromen von reichhaltigen, scharfen Speisen wie Currys und indischen Gerichten, erfrischen den Gaumen zwischen den Bissen und tragen so zu einem insgesamt besseren Geschmackserlebnis bei. Ebenso harmoniert die lebendige Säure und die leichte Säure des Orangenweins hervorragend mit den fermentierten Aromen vieler asiatischer Gerichte, wie etwa dem würzigen Kimchi der koreanischen Küche.
Käseliebhaber werden Orange Wines ebenfalls als lohnende Begleitung empfinden. Struktur und Tannine des Weins harmonieren hervorragend mit gereiften, würzigen Käsesorten, während seine aromatische Komplexität die nuancierten Aromen des Käses hervorhebt und so ein harmonisches Geschmackserlebnis schafft.
Danke fürs Lesen.
Alessandra
